Skip to main content

Anthropologie

Menschenbilder

Bibel

Die Bibel sieht den Menschen an der Spitze der Schöpfung, als Herr über alle Menschen und Tiere, sogar als Ebenbild Gottes. Damit kommt auch die Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren.

Darwin

Laut Darwin ist der Mensch Teil der Evolution, in einer Linie mit seinen tierischen Vorfahren. Somit ist er durchaus eine "Weiterentwicklung" seiner direkten Vorfahren, allerdings unterscheidet er sich in seiner Stellung nicht stark von ihnen. Allerdings sei jedes Lebewesen höher als der tote Staub, deshalb brauche sich der Mensch nicht zu schämen.

Hobbes

Hobbes sieht den Menschen als von Grund auf böse (wohl geprägt von seinen kriegsbedingten Erfahrungen). Laut ihm würde ohne einen regulierenden Staat ständig Krieg herrschen, da zwei Menschen, die das gleiche begehren, das aber nur einer haben kann, sich ohne Gesetz zwangsfläufig bekriegen würden → homo homini lupus (der Mensch ist dem Menschen ein Wolf).

Rousseau

Rousseau sieht den Menschen dagegen als von Grund auf gut und nur durch Regeln und Besitz "verdorben". Das Übel der Menschheit habe mit dem ersten Menschen begonnen, der Grund eingezäunt, für sein Eigentum erklärt und andere davon überzeugt hätte. Der Mensch würde in Frieden leben, wenn er sich mit einem einfachen Leben, z.B. in einer Hütte, begnügen würde.

Aristoteles

Laut Aristoteles ist der Mensch im Grunde genommen auch ein Tier - z.B. Wachstum, Ernährung und Wahrnehmung seien ident. Die einzige Abgrenzung, die er sieht, ist die menschliche Vernunft (→ animal rationale). Glückseligkeit könne durch die Betätigung ebendieser Vernunft erreicht werden (→ Bildungsauftrag).

Gehlen

Gehlen sieht den Menschen als "Mängelwesen" - er sei dem Tier biologisch unterlegen (z.B. Sinne, Behaarung,...). Außerdem sei er an keinen Lebensraum angepasst und somit weltoffen. Diese Defizite kompensiere er durch seine Handlungen und Institutionen bzw. durch sein Dasein als "Kulturwesen".

Abgrenzung Mensch und Tier

Laut Darwin ist der Mensch evolutionär in einer Linie mit anderen Lebewesen. Demnach gibt es viele Ansätze, ihn vom Tier abzugrenzen:

  • Angepasstheit der Tiere vs. Weltoffenheit des Menschen (vgl. Gehlen)
  • Bezug des Menschen zur Vergangenheit / Zukunft (Reflexion / Planung)
  • Abstrakte Begriffe, Denken
  • Selbstbewusstsein / Selbstreflexion → Philosophie

Laut Hegel sei der Mensch genauso ein Affe, wisse aber um Sein Dasein als Affe, was ihn abhebe (→ Fähigkeit zur Selbstreflexion)

Anthropologie vs. Existenzphilosophie

Die Anthropologie betrachtet den Menschen von außen (in der dritten Person) und untersucht seine Stellung in der Welt im Vergleich zu anderen Lebewesen. Sie betrachtet alle Menschen gleichermaßen objektiv und von außen betrachtet. Die Existenzphilosophie dagegen betrachtet den Menschen von innen und untersucht seine subjektive Wahrnehmung, sein individuelles "Ich".

Merkmale der Existenzphilosophie

  • Persönlich engagiertes Denken: Das Denken ist untrennbar mit den Erlebnissen und Lebenseinstellungen des jeweiligen Denkers
  • Fokus auf Emotionen: Abkehr vom Rationalismus; Auseinandersetzen mit emotionalen Grunderfahrungen und Grenzsituationen
  • Suche nach dem innersten Kern des Menschseins
  • Menschliches Dasein im Mittelpunkt der Untersuchungen
  • Reaktion auf eine Krisensituation (Krieg)

Kierkegaard

Laut Kierkegaard ist der Mensch eine Synthese aus Leiblichem und Seelischem, die vom Geist verbunden werden. Er definiert Furcht als an etwas Konkretes gebundenes und Angst als etwas Allgemeines, im Menschsein verwurzeltes. Die Angst entspringe der Freiheit, zu handeln. Diese Freiheit habe der Mensch zum ersten Mal realisiert, als Gott Adam verbot, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, ansonsten würde er sterben. Bisher kannte Adam keine Verbote, erkannte in dem Moment aber seine Freiheit, zu handeln, die zugleich auch mit Angst verbunden ist. Deshalb müsse der Mensch sich ängstigen lernen. Kierkegaard beschreibt drei Stadien des Menschseins:

  1. Der Ästhetiker: orientiert an Genuss, Lust etc.; mündet in Verzweiflung, die den Übergang ins nächste Stadium ermöglicht
  2. Der Ethiker: stabil; weiß, was er will; Gefahr laut Kierkegaard: Verlust der Individualität / Verwechslung Beruf mit Existenz
  3. Das religiöse Stadium: höchste Existenzform; Glaube an Gott, Auslieferung dem Unbekanten gegenüber; Verhältnis zu Gott

Französischer Existenzialismus (Camus)

Laut Camus ist das Leben absurd und sinnlos, er zieht einen Vergleich zum Mythos von Sisyphos. Die größte philosophische Frage für ihn ist, ob es sich lohnt, zu leben. Er kommt zur Erkenntnis, dass man der Absurdität des Schicksals ins Auge sehen muss und dass der Selbstmord bloß einen feigen Ausweg darstellt. Sisyphos muss als Strafe der Götter einen Stein einen Berg hinaufrollen, wobei der Stein aber immer wieder zurückrollt, die Arbeit also keinen Sinn ergibt. So sei das auch im Leben mit Arbeit etc. Sisyphos sei seinem Schicksal aber überlegen, indem er die Absurdität erkannt und sein Schicksal akzeptiert habe → Sisyphos sei ein glücklicher Mensch. Der einzige tatsächliche Ausweg laut Camus ist die Revolte: Akzeptanz und Bewusstsein des Schicksals, gleichzeitig aber auch Auflehnung dagegen und Solidarität.