Skriptum: Der Erste Weltkrieg
Vorbedingungen
Verhängnisvolle Bündnissysteme
Das 1815 auf dem Wiener Kongress ausgehandelte System der Prinzipen und der Allianz funktionierte spätestens 1866 (Preußisch-Österreichischer Krieg) nicht mehr. Auch gab es seit 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg) ganz andere Machtverhältnisse: Deutschland war durch Betreiben des Kanzlers Otto von Bismarck und des neuen Deutschen Kaisers Wilhelms I. geeint und befand sich, unter der Führung Preußens, auf dem Weg zur Weltmacht.
Zu dieser Zeit setzte eine fieberhafte diplomatische Betriebsamkeit ein, denn man wollte eine neue Balance der Mächte herstellen. Es entstanden folgende Bündnissysteme:
- Der Zweibund von 1879: Deutsches Reich + Österreichisch-Ungarische Monarchie
- Der Dreibund von 1882: Deutschland + Österreich-Ungarn + Italien, wobei Italien gleichzeitig ein Neutralitätsabkommen mit Frankreich ausgehandelt hatte
- Der Dreikaiservertrag und der Dreikaiserbund von 1881: Deutschland + Österreich-Ungarn + Russland. Diese Bünsnisse mit Russland hielten nicht lange, der Interessenskonflikt zwischen Österreich und Russland war zu groß. Österreich herrschte über weite Teile des Balkans, während sich Russland, im Zuge des Nationalismus, als Schutzmacht seiner "Slawischen Brudervölker" sah → Panslawismus
- Die Entente Cordiale von 1904: Großbritannien + Frankreich. Obwohl sich beide Nationen traditionsgemäß nicht sehr mochten - England war auch der erbittertste Gegner Napoleons gewesen - und koloniale Differenzen hatten, schlossen sie gegen das immer mächtiger werdende Deutschland dieses "herzliche Einverständnis".
- Die Entente von 1907: Großbritannien + Frankreich + Russland
Es blieben am Vorabend des ersten Weltkriegs diese beiden Bündnisblöcke: der Zweibund der Mittelmächte (Deutsches Reich + Österreich-Ungarn) und die Entente (Großbritannien + Frankreich + Russland). Diese beiden Blöcke standen sich feindlich gegenüber und lösten eine verhängnisvolle Kette von Ursache und Wirkung aus.
Politik der "gesträubten Schnurrbarthaare"
Mit "Schnurrbarthaaren" sind diejenigen Kaiser Wilhelms II. gemeint. Er bewegte sich denkbar plump auf dem glatten diplomatischen Parkett ("Elefant im Porzellanladen") und fiel durch sein "nass-forsches" Auftreten und militaristisches Gehabe negativ auf. Seine sogenannte "Hunnenrede" ging durch die damalige Weltpresse und erregte allgemeine Empörung: Diese Rede war an ein Vergeltungskommando gerichtet, das den Tod einiger deutscher Kolonialisten in China rächen sollte, welche 1900 im Boxeraufstand umgekommen waren. Wilhelm forderte darin, dass "kein Pardon gegeben werden und keine Gefangenen gemacht werden dürfe" und er forderte eine grausame Haltung "wie die Hunnen vor 1000 Jahren". Bis heute gilt "the huns" als sehr abfällige Bezeichnung für Deutsche.