# Psychologie und Philosophie

# Psychologie

# Entwicklungspsychologie

In der Entwicklungspsychologie soll die Entwicklung eines Menschen erforscht werden - körperlich, psychisch und sozial. Zu finden im Buch auf der Seite 113.

## Allgemeine Informationen
**Ursachen für Veränderungen:**
* biologische Prozesse (Wachstum, Reifung)
* Umweltbedingungen (Lernen, Erfahrung)
* Aktive Selbstgestaltung

Früher wurden hauptsächlich Kindesalter und Adoleszenz erforscht, mittlerweile eher Erwachsenenalter.

Auch vorgeburtliche Ereignisse prägen die Entwicklung.

Genaue Vorhersagen sind unmöglich, die Entwicklung kann aber abgeschätzt werden. Besonders wichtig: emotionale Bindung zur Bezugsperson und Erziehung in der frühen Kindheit.

**Forschungsmethoden:**
* **Querschnittmethode:** mehrere Personen unterschiedlichen Alters zum gleichen Zeitpunkt untersucht und verglichen
* **Längsschnittmethode:** dieselben Personen über längeren Zeitraum untersucht
* **Sequenzmethode:** Kombination. Verschiedene Personen zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht

## Anlage-Umwelt-Konflikt
Wird unser Verhalten durch unsere Gene oder äußere Einflüsse bestimmt? Zu finden im Buch auf Seite 115 bis 117.

### Reifungstheorien
Halten unser Verhalten und unsere Entwicklung für genetisch vorbestimmt.
**Genetische Prädisposition:** Verhalten und Entwicklung sind genetisch vorbestimmt
**Angelegte (endogene) Faktoren:** Physiologischen, angeborenen Potentiale

### Milieutheorien
Gehen davon aus, dass 40-50% einer Persönlichkeit genetisch bestimmt sind.
Ob diese auch aktiviert werden, ist von **äußeren (exogenen) Faktoren** (Umweltfaktoren) abhängig.

**Wichtige Faktoren für den Entwicklungsverlauf:**
* **Pränatale Umgebung** (Gewohnheiten d. Mutter während d. Schwangerschaft)
* **Frühe Erfahrungen** (z.B. Mehr neuronale Verbindungen entwickeln sich bei vielen Umweltreizen und viel Zuneigung)
* **Kulturelle Faktoren** (Anpassung an allgemein anerkannte Richtlinien)
* **Soziale Faktoren** (Einfluss durch Lehrer, Mitschüler, Freunde,...)

### Interaktionistische Theorien
Halten hauptsächlich **autogene Faktoren** für wichtig, also unsere eigenen Entscheidungen und selbst gesetzten Ziele, die allerdings wechselseitig von Personen und der Umwelt beeinflusst werden.

### Neurowissenschaftliche Theorien
Das Gehirn entwickelt sich, neuronale Verbindungen werden im Laufe des ersten Lebensjahres geknüpft und das Netz verdichtet sich. Genutzte Verbindungen bleiben, nicht genutzte verschwinden wieder. Besonders wichtig sind dabei Beziehungen zu anderen Menschen, die uns beeinflussen.

## Entwicklung in der Kindheit
Eingeschränkt auf die motorische Entwicklung, die Entwicklung des Zeichnens und die sprachliche Entwicklung.

### Motorische Entwicklung
**Reflexe bei Babys:**
* **Mororeflex (Umklammerungsreflex):** „Umklammern“ mit Händen bei plötzlichem Senken des Kindes („fallen“)
* **Greifreflex:** Hand bildet Faust bei Druck auf Handinnenfläche
* **Schreitreflex:** Schreitbewegungen bei senkrechtem Halten mit Bodenkontakt

Die Entwicklung des Gehirns ermöglicht solche Reflexe, die Entwicklung der Knochen und Muskeln Bewegungen. Diese werden jedoch, nicht, wie häufig gedacht, von Kind zu Kind zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Reihenfolge (z.B. Gehen, dann krabbeln) erlernt. Gehen durchschnittlich nach 15 Monaten.

### Entwicklung des Zeichnens
Jedes Kind zeichnet gerne und sollte dabei ermutigt und nicht kritisiert werden, sonst hat es keinen Spaß mehr dabei. Das Zeichnen ist mit **motorischen Fähigkeiten** verbunden.

**Entwicklungsphasen:**
* **1/2-1 Jahr - Spurschmieren:** Schmierspuren in Sand, Brei, Schnee,...
* **1-3 Jahre - Kritzeln:** Schwungvolle Bewegungen, scheinbar bedeutungslose Zeichnung; Kind kann diese aber interpretieren bei Nachfragen
* **3-5 Jahre - Kopffüßer:** Erste Lebewesen; Kopf + Füße ohne Rumpf
* **Ab 4 Jahren - Symbolstadium:** Organisierte Bilder mit bedeutungsvoller Farbe und Motiven; auch Häuser, Bäume, Schiffe, Tiere,...
* **5-8 Jahre - Naiver Realismus:** „Röntgenbilder“ - auch nicht sichtbare Dinge; wichtiges ist groß
* **8-12 Jahre - Visueller Realismus:** Detailreich, Perspektive, Proportionen

### Sprachliche Entwicklung
Verläuft über mehrere Jahre hinweg.

**Entwicklungsphasen:**
* **0-13 Monate - Vorsprachliche Phase:**
    * **Appellfunktion** - Wünsche durch Körpersprache, Mimik, Laute ausgedrückt (Lachen/Weinen)
    * **Gurrlaute** - aaaaaa, uuuuu,... (Vokalketten)
    * **Nach ½ Jahr** - bababa, gagaga,... (Vokal + Konsonant) - ahmt damit Melodie der Muttersprache nach
    * **Erstes Wort** nach knapp 1 Jahr - wird dann für alles verwendet
    * **Erste sinnvolle Wörter** (meist Mama, Papa, dann Baby und Ball)
* **1-2 Jahre - Beginn des Sprechens:**
    * **1 Jahr:** Einwortsätze
    * **1 1/2 Jahre:** Wortschatz 50 Worte
    * **2 Jahre:** Wortschatz 200 Worte, Zweiwortsätze
* **3-6 Jahre - Weitere Sprachentwicklung:**
    * **3 Jahre:** „Warum-Fragen“
    * **5 Jahre:** Wünsche, Bedürfnisse, Antworten, Begründungen,...
    * **Handlungsbegleitendes Sprechen:** Handlungen werden kommentiert
    * **6 Jahre:** Wortschatz 2500 Worte; Erlernt inneres Sprechen in der Schule

**Bedingungen für erfolgreiche Spracherziehung:**
Sprachliche Vorbilder, korrekte Erwachsenensprache (keine Babysprache), keine Redeverbote (Rededrang des Kindes), liebevolle Zuwendung der Eltern

## Erziehung
**Erziehung ist laut Herman Nohl:**
* Leidenschaftliches, positives, emotionales, freiwilliges Verhältnis eines erfahrenen Menschen zu einem werdenden Menschen
* Einfühlvermögen in die Anlagen des Kindes und seine Bildsamkeit, in Hinsicht auf sein zukünftiges Leben

**Laut Reinhard und Anne-Marie Tausch sind folgende Werte essentiell für eine positive Eltern-Kind-Beziehung:**
* **Wertschätzung:** Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit auf das Kind
* **Verständnis:** Einfühlvermögen in die Gefühlswelt des Kindes
* **Echtheit:** Übereinstimmung der Handlungen mit den eigenen Werten

Konsequente Wertschätzung, Verständnis und Echtheit fördern bei Kindern Selbstwert, Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz (seelisches und körperliches Wohlbefinden).

### Die erste Autonomiephase (Trotzphase, 2-4 Jahre)
Das Kind entwickelt seinen eigenen Willen und strebt nach Autonomie. Dahinter steckt eigentlich der Wunsch nach Loslösung von den Eltern und sich selbst auszuprobieren. Es wird bei Verweigerung seiner Wünsche wütend und will diese unbedingt durchsetzen und ist nicht gehorsam. **Es lernt:**
* den eigenen Willen zu entwickeln.
* Entscheidungen zu treffen.
* Lösungen in Konfliktsituationen zu finden.
* seine Gefühle zu äußern.
* eigene Erfahrungen zu sammeln, ob positive oder negative.

Da sich Kinder selbst ausprobieren, geht in dieser Phase vieles kaputt. Gerade hier ist Einfühlsvermögen gefragt.

### Erziehungsstile
Wie Eltern ihre Kinder erziehen, loben, bestrafen usw., hängt von ihren eigenen Charaktereigenschaften und Werten ab.
* **Der Autoritäre Erziehungsstil:** kaum Selbstbestimmung, wenig Eingehen auf Wünsche, Gehorsam sehr wichtig, Befehle und Verbote
* **Der Demokratische Erziehungsstil:** Rücksicht auf Bedürfnisse und Wünsche, selbstbestimmtes Handeln innerhalb bestimmter Grenzen (Kind = Gleichwertiger Partner -> gegenseitiges Verständnis und Offenheit)
* **Der Laissez-faire-Erziehungsstil:** permissiv; alles erlaubt, kaum Eingriffe; Freiwilligkeit und Selbstbestimmung sehr wichtig

# Sozialpsychologie

## Vorurteile und Stereotype

### Vorurteile
Eine **Einstellung** ist die Bewertung eines Menschen, die durch Verhalten nach außen transportiert werden kann. Wie diese entstehen und beeinflusst werden können, wird von der Einstellungsforschung erforscht:
* Einflüsse durch Eltern, Lehrer, Freunde
* Einflüsse durch Medien, Übernahme akzeptierter Meinungen
* Generalisation persönlicher Alltagserfahrungen

Ein **Vorurteil** ist eine besondere Form der Einstellung und eine Übergeneralisierung unseres Gehirns, um Rechenleistung zu sparen. Personen werden anhand ihrer Kleidung, Hautfarbe usw. unterbewusst eingeordnet, niemand lebt völlig vorurteilsfrei. Sie kontrollieren unsere Informationsverarbeitung und sind dementsprechend schwer loszuwerden, auch, weil sie das Ziel haben, sich selbst zu bestätigen und meistens nicht hinterfragt werden.

Das **Zielobjekt** der Vorurteile sind Sachverhalte oder Personengruppen. Sie entspringen häufig aus „unerwünschten Abweichungen von der Norm“, also **offensichtlichen** (Hautfarbe, Geschlecht,...) oder **verborgenen Stigmata** (Krankheit, Religion,...). Rassismus und Sexismus entspringen aus Vorurteilen.

**Auswirkungen von Vorurteilen:**
* **Verzerrung unserer Wahrnehmung** (Wahrnehmung und Interpretation von Ereignissen)
* **Verhalten:** Fördern von Abneigung, Furcht, Diskriminierung (Benachteiligung einer Person aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe)

**Ursachen von Vorurteilen:**
* **Gesellschaftlich - Soziale Ungerechtigkeit:** Armut = Faulheit, Reichtum muss rechtfertigt werden
* **Kognitiv:** Kategorisierung anderer Menschen, z.B. Schwarze Hautfarbe -> Nicht-Österreicher/schlechte Deutschkenntnisse (obwohl falsch)
* **Emotional:** Sündenbock für eigene Unzufriedenheit - Abgabe der Schuld

**Überwindung von Vorurteilen:**
* **Kontakthypothese:** Kontakt mit stigmatisierten Menschen, um Vorurteile abzubauen; Anforderungen: gleicher Status, gemeinsames Ziel, kooperatives Arbeiten erforderlich; Hilfreich: gemeinsame soziale Normen
* **Kognitiver Ansatz:** Lernen über fremde Gruppen, um Vorurteile abzubauen

### Stereotype
Ein Stereotyp ist dem Vorurteil ähnlich, ist allerdings nicht zwingend negativ und bezieht sich ausschließlich auf eine Personengruppe.
Durch Stereotype werden häufig vorkommende Eigenschaften/Überzeugungen/Meinungen generalisiert und vereinfacht und unkritisch auf alle anderen Personen der betreffenden Personengruppe übertragen. Wir übernehmen Stereotype meist in unserer Kindheit von unserer Umgebung. (z.B.: Alle Schweizer sind pünktlich.)

**Autostereotypen** sind die identitätsstiftenden Eigenschaften, die die betreffende Nation sich selbst zuschreibt.
**Heterostereotypen** sind Eigenschaften, die einer fremden Nation zugeschrieben werden.

Stereotype können u.a. Durch Witze oder Medien (z.B. Darstellung einer bestimmten Nation in Filmen) verbreitet werden. Sie verzerren, wie Vorurteile, unsere Wahrnehmung.

## Die Gruppe
Sobald Menschen über einen längeren Zeitraum interagieren, bilden sie Gruppen. Diese haben folgende Eigenschaften:
* **Interaktionsmöglichkeiten:** möglicher Austausch miteinander
* **Zugehörigkeitsgefühl**
* **Homogenität:** ähnliches/gleiches Alter, Geschlecht, Bedürfnisse,...
* **Soziale Struktur:** Rollen (zugeschriebene Erwartungen - individuell anhand von Persönlichkeit, oder aber nur Geschlecht o.ä.) - jeder hat seinen Platz
* **Geteilte Normen:** Anpassen an Normen, um in der Gruppe akzeptiert zu werden

### Menge und Masse
Eine **Menge** ist eine Gruppe an Personen, die zufällig zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufeinandertreffen. Wird diese Menge durch das Einwirken äußerer Umstände zum gemeinschaftlichen Handeln bewegt (Panik, Einsteigen in den Zug bei zu wenig Platz,... -> affektive Verbindung), so wird sie zur **Masse**. Aus einer **Gruppe**, die ihre feste innere Ordnung hat, kann z.B. eine Masse entstehen, wenn ein gemeinsamer „Gegner“ verhöhnt wird. Ein **Anführer** weist Suggestibilität auf, kann aufgestaute Gefühle anstacheln und zum Ausbruch bringen und macht die Masse dadurch lenkbar.

### Psychosomatik in der Gruppe
* **Alpha-Position (α):** Anführer der Gruppe; Gruppenmitglieder identifizieren sich mit ihr; Repräsentiert die Gruppe; Diskutiert nicht, sondern handelt
* **Beta-Position (β):** Autorität durch Wissen/Können, bringt sachliche Argumente; legitimiert sich im Gegensatz zu α durch ihr Können
* **Gamma-Position (γ):** Mitläufer, trägt keine eigene Verantwortung; folgen α blind und identifizieren sich mit ihr
* **Omega-Position (Ω):** Feind der Gruppe; am Rand positioniert durch bewusste Provokation oder Unsicherheit, Neuheit, o.ä.; von α bewusst oder unausweichlich, weil er anders ist, provoziert

Durch solche Rollen intensivieren wir kooperatives zwischenmenschliches Verhalten, fühlen uns aber auch eingeengt und sind, je nach Rolle, unterwürfig, oder üben unsere Macht auch aus, wie auch Experten bestätigen.

# Philosophie

# Grundlagen, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorien

## Grundlagen & Begriffsklärung

- *philosophos* = *philo* (lieben) + *sophos* (Weisheit/Wissender) &rarr; der die Weisheit liebende (griechisch)
- Suche nach Wahrheit > Besitz
- Anfang der Philosophie = *thaumazein* (Staunen)

**Mythos**: Mythen/Staunen über unerklärliche Wunder

**Logos**: rationale Erklärungen &rarr; Philosophie/Wissenschaft

Philosophie: Mythos &rarr; Logos

### Bertrand Russell (Philosophie &#8800; sichere Antworten)

Philosophie = "restliche" ungeklärte Fragen

sobald sichere Antwort &rarr; Abspaltung von der Philosophie (&rarr; Wissenschaft)

Wert der Philosophie = Ungewissheit (befreit von Vorurteilen)

## Erkenntnistheorien

### Methoden zum Erlangen von Wissen

#### Rationalismus (René Descartes)

Vernunft = einzige zuverlässige Quelle (Sinne täuschen/Traum oder wach?)

zweifelt alles an, um sicheres Fundament zu finden &rarr; **Fähigkeit zu denken** (Cogito ergo sum)

#### Empirismus (Locke, Hume, Russell)

Erkenntnis durch Erfahrung (&#8800; Rationalismus)

bei Geburt: *tabula rasa* (leeres Blatt) &rarr; durch Erfahrung beschrieben

**impressions**: unmittelbare Wahrnehmungen

**ideas**: Vorstellungen von *impressions*

kritisieren Kausalität (Ereignisse haben Ursachen; &rarr; Billiardkugeln) &rarr; ich muss eine Erfahrung immer erneut machen (schließen auf Ergebnis anhand voriger Erfahrung falsch - nur Gewohnheit)

**Logischer Empirismus**: Erscheinung &#8800; Wirklichkeit (z.B. Farbe: verändert durch Licht, wir sehen nicht die "wahre" Farbe)

#### Kritizismus (Immanuel Kant)

verbindet Rationalismus und Empirismus (gegensätzlich)

nicht Erkenntnis richtet sich nach Gegenständen, sondern Gegenstände nach Erkenntnis

Erkenntnisse können sein:

- **a priori**: unabhängig von Erfahrung
- **a posteriori**: aus Erfahrung stammend

Arten von Urteilen

- **analytische Urteile**: Tautologien, nicht wissenserweiternd (Kugel ist rund)
- **synthetische Urteile** (a posteriori): neue Erkenntnisse (Kugel ist rot)
- **synthetische Urteile a priori**: wissenserweiternd, aber von Erfahrung unabhängig (7 + 5 = 12; alles hat eine Ursache)

Raum & Zeit: sicher (alles passiert irgendwo und irgendwann)

wir sehen nur Erscheinung (nicht Ding an sich)

### Positionen

#### Skeptizismus &#8800; Dogmatismus

**Skeptizismus**: keine sichere Erkenntnis. Fundament = Vernunft

**Dogmatismus**: absolute Gewissheit/Erkenntnis möglich

#### Idealismus

wahre Welt = Ideen, materielle Welt = Abbild (&rarr; Höhlengleichnis - Schatten = Sinneswelt/Schein)

"Aufstieg aus der Höhle" = Weg zur Erkenntnis

Sonne = das Gute

**subjektiver Individualismus**: kein Objekt ohne Subjekt - wir handeln basierend auf unserer Realität anhand unserer Wahrnehmung

## Wissenschaftstheorie/Kritischer Rationalismus (Karl Popper)

**Induktionsproblem**: kein Schließen von Einzelfällen auf Allgemeines möglich (100 weiße Schwäne gesehen - 101. könnte schwarz sein) &rarr; Induktion ist falsch

**Verifikation**: unmöglich (kein endgültiger Beweis)

**Falsifikation**: Theorien sind gültig, bis sie widerlegt werden (wissenschaftlicher Fortschritt = Elimination falscher Theorien) &rarr; *Trial and Error*

Theorien müssen sich der Kritik stellen &rarr; bewähren sich, das Verhindern davon (Dogmatismus) verhindert den Fortschritt

# Anthropologie

## Menschenbilder

### Bibel

Die Bibel sieht den Menschen an der Spitze der Schöpfung, als Herr über alle Menschen und Tiere, sogar als Ebenbild Gottes. Damit kommt auch die Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren.

### Darwin

Laut Darwin ist der Mensch Teil der Evolution, in einer Linie mit seinen tierischen Vorfahren. Somit ist er durchaus eine "Weiterentwicklung" seiner direkten Vorfahren, allerdings unterscheidet er sich in seiner Stellung nicht stark von ihnen. Allerdings sei jedes Lebewesen höher als der tote Staub, deshalb brauche sich der Mensch nicht zu schämen.

### Hobbes

Hobbes sieht den Menschen als von Grund auf böse (wohl geprägt von seinen kriegsbedingten Erfahrungen). Laut ihm würde ohne einen regulierenden Staat ständig Krieg herrschen, da zwei Menschen, die das gleiche begehren, das aber nur einer haben kann, sich ohne Gesetz zwangsfläufig bekriegen würden &rarr; homo homini lupus (der Mensch ist dem Menschen ein Wolf).

### Rousseau

Rousseau sieht den Menschen dagegen als von Grund auf gut und nur durch Regeln und Besitz "verdorben". Das Übel der Menschheit habe mit dem ersten Menschen begonnen, der Grund eingezäunt, für sein Eigentum erklärt und andere davon überzeugt hätte. Der Mensch würde in Frieden leben, wenn er sich mit einem einfachen Leben, z.B. in einer Hütte, begnügen würde.

### Aristoteles

Laut Aristoteles ist der Mensch im Grunde genommen auch ein Tier - z.B. Wachstum, Ernährung und Wahrnehmung seien ident. Die einzige Abgrenzung, die er sieht, ist die menschliche Vernunft (&rarr; animal rationale). Glückseligkeit könne durch die Betätigung ebendieser Vernunft erreicht werden (&rarr; Bildungsauftrag).

### Gehlen

Gehlen sieht den Menschen als "Mängelwesen" - er sei dem Tier biologisch unterlegen (z.B. Sinne, Behaarung,...). Außerdem sei er an keinen Lebensraum angepasst und somit *weltoffen*. Diese Defizite kompensiere er durch seine Handlungen und Institutionen bzw. durch sein Dasein als "Kulturwesen".

## Abgrenzung Mensch und Tier

Laut Darwin ist der Mensch evolutionär in einer Linie mit anderen Lebewesen. Demnach gibt es viele Ansätze, ihn vom Tier abzugrenzen:

- Angepasstheit der Tiere vs. Weltoffenheit des Menschen (vgl. Gehlen)
- Bezug des Menschen zur Vergangenheit / Zukunft (Reflexion / Planung)
- Abstrakte Begriffe, Denken
- Selbstbewusstsein / Selbstreflexion &rarr; Philosophie

Laut Hegel sei der Mensch genauso ein Affe, wisse aber um Sein Dasein als Affe, was ihn abhebe (&rarr; Fähigkeit zur Selbstreflexion)

## Anthropologie vs. Existenzphilosophie

Die Anthropologie betrachtet den Menschen von außen (in der dritten Person) und untersucht seine Stellung in der Welt im Vergleich zu anderen Lebewesen. Sie betrachtet alle Menschen gleichermaßen objektiv und von außen betrachtet. Die Existenzphilosophie dagegen betrachtet den Menschen von innen und untersucht seine subjektive Wahrnehmung, sein individuelles "Ich".

### Merkmale der Existenzphilosophie

- **Persönlich engagiertes Denken**: Das Denken ist untrennbar mit den Erlebnissen und Lebenseinstellungen des jeweiligen Denkers
- **Fokus auf Emotionen**: Abkehr vom Rationalismus; Auseinandersetzen mit emotionalen Grunderfahrungen und Grenzsituationen
- **Suche nach dem innersten Kern** des Menschseins
- **Menschliches Dasein im Mittelpunkt** der Untersuchungen
- **Reaktion auf eine Krisensituation** (Krieg)

## Kierkegaard

Laut Kierkegaard ist der Mensch eine Synthese aus Leiblichem und Seelischem, die vom Geist verbunden werden. Er definiert *Furcht* als an etwas Konkretes gebundenes und *Angst* als etwas Allgemeines, im Menschsein verwurzeltes. Die Angst entspringe der Freiheit, zu handeln. Diese Freiheit habe der Mensch zum ersten Mal realisiert, als Gott Adam verbot, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, ansonsten würde er sterben. Bisher kannte Adam keine Verbote, erkannte in dem Moment aber seine Freiheit, zu handeln, die zugleich auch mit Angst verbunden ist. Deshalb müsse der Mensch *sich ängstigen lernen*. Kierkegaard beschreibt drei Stadien des Menschseins:

1. **Der Ästhetiker**: orientiert an Genuss, Lust etc.; mündet in Verzweiflung, die den Übergang ins nächste Stadium ermöglicht
2. **Der Ethiker**: stabil; weiß, was er will; Gefahr laut Kierkegaard: Verlust der Individualität / Verwechslung Beruf mit Existenz
3. **Das religiöse Stadium**: höchste Existenzform; Glaube an Gott, Auslieferung dem Unbekanten gegenüber; Verhältnis zu Gott

## Französischer Existenzialismus (Camus)

Laut Camus ist das Leben absurd und sinnlos, er zieht einen Vergleich zum Mythos von Sisyphos. Die größte philosophische Frage für ihn ist, ob es sich lohnt, zu leben. Er kommt zur Erkenntnis, dass man der Absurdität des Schicksals ins Auge sehen muss und dass der Selbstmord bloß einen feigen Ausweg darstellt. Sisyphos muss als Strafe der Götter einen Stein einen Berg hinaufrollen, wobei der Stein aber immer wieder zurückrollt, die Arbeit also keinen Sinn ergibt. So sei das auch im Leben mit Arbeit etc. Sisyphos sei seinem Schicksal aber überlegen, indem er die Absurdität erkannt und sein Schicksal akzeptiert habe &rarr; Sisyphos sei ein glücklicher Mensch. Der einzige tatsächliche Ausweg laut Camus ist die *Revolte*: Akzeptanz und Bewusstsein des Schicksals, gleichzeitig aber auch Auflehnung dagegen und Solidarität.

# Ethik

## Begriffsdefinitionen

- **Ethik** (gr. ethos = Charakter, Gesinnung, Sitte, Gewohnheit): individuelle, persönliche Haltung / Werte; subjektiv, von jedem selbst abhängig
- **Moral**: heteronom (gr. heteros = anders, verschieden, fremd) &rarr; Normen, Sitten und Bräuche in einer Gruppe
- **Gesetz**: schriftlich fixierte Moral
- **heteronom**: fremdbestimmt
- **autonom**: selbstbestimmt

## Teleologische Positionen

Frage nach dem Ziel der Handlung

### Hedonismus

Das Ziel im Hedonismus ist die Maximierung von Lust (Essen, Trinken,...) und die Minimierung von Unlust bzw. Schmerz. Dabei soll die Lust gezielt kontrolliert werden, man solle weder Asket werden, noch sich von seiner Lust in eine Sucht treiben lassen. Laut Epikur sei eher die geistige Lust wichtig - z.B. Gespräche mit Freunden, Musik hören etc.

### Stoizismus

Im Stoizismus wird zwischen Dingen unterschieden, die man kontrollieren kann, und Dingen, die man nicht kontrollieren kann. Man soll sich auf das Eigene fokussieren, auf die Dinge, die man kontrollieren kann, und darauf, wie man mit unkontrollierbaren Dingen umgeht. Dabei soll keine Energie auf unkontrollierbare Dinge verschwendet werden. Die vier Tugenden im Stoizismus sind:

- Weisheit
- Mut
- Gerechtigkeit
- Mäßigung

### Eudämonismus

Laut Aristoteles ist das übergeordnete Ziel die Glückseligkeit bzw. das Glück, alles andere (Auto, Matura,...) nur Mittel zum Zweck. Mit Glück meint er nicht kurze Glücksmomente, sondern ein langfristig glückliches Leben. Für das Glück sei einerseits das Nachdenken, andererseits das Mittelmaß an Dingen (Spais & Trank, Sport usw.) nötig. Auch bei Tugenden sei die Mitte wichtig, so definiert er folgende Eigenschaften als Extrema und die Mitte dazwischen:

| Extremum | **Mitte** | Extremum |
| :---: | :---: | :---: |
| Tollkühnheit | **Mut / Tapferkeit** | Feigheit |
| Verschwendung | **Großzügigkeit** | Geiz |
| Wollust | **Mäßigung** | Stumpfheit |

### Egoismus bzw. Mitleidsethik

Egoismus &ne; Altruismus

Alle Handlungen seien durch einen eigenen Vorteil motiviert. Selbst bei scheinbar selbstlosen Handlungen sei, selbst wenn nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ein Vorteil der Antrieb. Hobbes sieht den Menschen als böse und egoistisch (vgl. Anthropologie / Menschenbilder). Scheinbar selbstlose Handlungen argumentiert er mit dem *Mitleid*: man stelle sich vor, man wäre selbst in der Situation und leide deshalb mit. Schopenhauers Argumentation ist ähnlich, laut ihm seien wir alle eins und leiden mit anderen Menschen mit. Er bezeichnet das Leben als eine "missliche Sache".

### Utilitarismus

lat. utilis = nützlich

Das übergeordnete Ziel jeder Handlung sei ihre Nützlichkeit. Im Utilitarismus nach Jeremy Bentham und John Stuart Mill geht es darum, mit seiner Handlung das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl von Menschen zu erwirken. Man sollte lieber ein gebildeter, aber unzufriedener Mensch sein wollen als ein ungebildetes, aber glückliches Schwein. Das Schwein sei nur deshalb glücklich, da es sich mit niedrigeren Formen der Lust begnüge als der gebildete Mensch. Dieses "Herabsetzen" sei egoistisch (für sich selbst bringt es Glück), für die Allgemeinheit ist ein gebildeter Mensch aber viel nützlicher als ein ungebildetes Schwein. Kurzum sei das Glück möglichst vieler vor das eigene Glück zu stellen.